Gastbeitrag im Münchener Wochenanzeiger vom 15.2.02014: Vereinbarkeit endet mit Schulbeginn

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Gastbeitrag im Münchener Wochenanzeiger vom 15.2.02014: Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für alle ein Gewinn!

“Vergangene Woche haben wir in allen unseren Ausgaben (Werbe-Spiegel, Sendlinger Anzeiger, SamstagsBlatt) die Situation der Ganztagsschulen mit vielen Beiträgen aufgegriffen. Silke Mekat (Soulution Coaching) schreibt dazu:

Nach 20 Jahren in verschiedenen Firmen und Positionen habe ich vor vier Jahren noch mal von vorne angefangen. Als Diplom Betriebswirtin und Inhaberin von Soulution Coaching begleite ich heute als Beraterin, Trainerin und Coach Unternehmen und deren Mitarbeiter in den Themen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Mitarbeiterbindung und wertschätzende Führung.

Vereinbarkeit endet mit Schulbeginn

Für ein Unternehmen ist nichts ärgerlicher, als wenn eine teuer geworbene Fachkraft oder ein guter Mitarbeiter das Unternehmen wieder verlässt. Leider gelingt nicht jedem das Kunststück, Beruf und Privates gut unter einen Hut zu bekommen. Mag das in den ersten Jahren nach der Geburt noch funktionieren, da wir inzwischen ein zumindest in den Ballungsräumen recht gut ausgebautes Krippen- und Kindergartenangebot haben, endet die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit Beginn der Schule wieder. In Bayern endet die Grundschule um 11.25 Uhr und im Sommer auch gerne früher. Hinzu kommen lange Ferien, Brückentage, Lehrerfortbildungen etc. Wir haben 14 Wochen Schulferien. Welcher Arbeitnehmer hat so viel Urlaub? Gerade Frauen ziehen aus diesen Gründen beruflich gesehen häufig den Kürzeren. Ein Zustand, den wir uns eigentlich nicht leisten können, klagt die bayerische Wirtschaft doch jetzt schon über einen großen Fachkräftemangel. Zusätzlich haben wir die am besten ausgebildete Frauengeneration aller Zeiten. Wie passt das alles zusammen?

Für alle ein Gewinn

Dabei ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für alle ein Gewinn!

Zahlreiche Untersuchungen, die sich in den vergangenen Jahren mit dem Thema “Mütter in Führungspositionen” beschäftigt haben bestätigen: Mütter sind engagierte und motivierte Mitarbeiter, denen häufig unberechtigterweise mit Vorurteilen begegnet wird. Doch 65 Prozent der Beschäftigten haben immer noch keine Möglichkeit zu flexibler Arbeitszeit, nur 17 Prozent wird ein Home-Office zugestanden. Unterm Strich bestätigte nur ein Viertel der Mitarbeiter ihren Unternehmen Familienfreundlichkeit. Für die Unternehmen und die Politik gibt es also noch viel zu tun!

Warum Gemeinschaftsschule?

In der Gesellschaft wird die Forderung nach Ganztagesschulen lauter und auch in den Bundesländern wächst die Akzeptanz.

Doch was sind die Vorteile einer Ganztagesschule für Kinder und Eltern?

–  Kinder können dadurch zu besseren Abschlüssen geführt werden, denn die Möglichkeiten individueller Förderung sind größer.

–  Das soziale Lernen wird gefördert, denn Kinder ganz unterschiedlicher Elternhäuser kommen intensiver zusammen.

–  Der Kampf um die Hausaufgaben zu Hause entfällt. Hausaufgaben bleiben in der Schule und die Kinder damit Zuhause Kinder, die Zeit für Freunde und zum Spielen haben.

–  Spiel und Spaß mit Freunden, denn unterstützt durch örtliche Vereine oder freie Träger, können Ganztagsschulen eine breite Palette unterschiedlicher Freizeitangebote anbieten. So können die Schüler auf einer Ganztagsschule aus einer Vielzahl von Kursen wählen, was Eltern so gar nicht möglich wäre.

–  Und die Fahrdienste vieler Mütter fallen weg (was letztendlich auch der Umwelt zugute kommt)

– Ganztagesschulen entlasten Eltern und Unternehmen. Für berufstätige Eltern ist es eine große Entlastung, ihr Kind für einen verlässlichen Zeitrahmen in der Ganztagsschule zu wissen. Sie müssen bei einer Ganztagsschule keinen Lehrerausfall kompensieren und sich nicht um das tägliche Mittagessen oder das ordentliche Erledigen der Hausaufgaben kümmern. Ihr Kind ist in der Ganztagsschule gut aufgehoben, und sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, weil beide Elternteile arbeiten. Eltern haben so als Mitarbeiter in Unternehmen den Kopf frei für ihren Job, was sich auch im Unternehmenserfolg messen lässt.

– Mehr Chancengleichheit, denn in einer Ganztagesschule haben alle Kinder Zugang zum Lernen, zum Internet, zu Büchern, zu Sport, ausländische Kinder lernen auf einer Ganztagsschule schneller und besser Deutsch, bei den Hausaufgaben helfen Fachkräfte. etc. Hier spielen der Bildungsstand der Eltern und ihr Vermögensstatus keine Rolle und haben weniger Einfluss auf den Schulerfolg der Kinder.

Mehr als Wissen aneignen

Ich halte Ganztagesschulen aus mehreren Gründen für gesellschaftlich wichtig, denn in einer Ganztagsschule geht es um mehr als nur um das Aneignen von Wissen. Die Ganztagsschule bereitet auch auf das Leben in der Gemeinschaft vor, denn es gibt dort für die Schüler eine Menge zu organisieren. So werden auf einer Ganztagsschule Schlüsselqualifikationen vermittelt: zum Beispiel Probleme lösen, Selbstdisziplin lernen und im Team arbeiten. Dafür ist in der Ganztagsschule einfach viel mehr Zeit als in der Halbtagsschule.

Altersarmut bedroht vor allem Mütter

Wir müssen auch weg von dem Bild der Mutter als Hausfrau. Dieses Bild haben wir selber spätestens mit dem neuen Unterhaltsrecht gekippt. Überdurchschnittlich bedroht von Altersarmut sind Frauen, weil sie für die Familie auf eine eigene Berufstätigkeit ganz oder teilweise verzichtet haben. Ein Zustand, der so nicht hinnehmbar ist; nicht von den Frauen und nicht von der Gesellschaft, die für diese Frauen aufkommen muss.

Kinder fördern statt aufbewahren

Es profitieren also alle in der Gesellschaft von einer besseren Ganztagesbetreuung: Familien, Unternehmen und Gesellschaft. Wobei bessere Ganztagesbetreuung in Schulen nicht die heute oft praktizierte Aufbewahrung der Kinder meint, sondern qualifizierte und gut Betreuung und Förderung der Kinder.”

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Kontakt zur Autorin: Silke Mekat

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