Seit ein paar Tagen geht die Sonne morgens wieder etwas später auf. Der Herbst ist da, die Urlaubszeit ist vorbei und auch bei mir kehrt langsam wieder mehr Alltag ein.
Damit stellt sich jedes Jahr ein ähnliches Thema: Wie komme ich wieder in meine Routinen?
Mein erster Impuls ist dabei erstaunlich zuverlässig. Jetzt wieder richtig durchstarten.
Krafttraining, Spinning, Golf, am besten alles regelmäßig und sofort. Schließlich habe ich im Sommer einiges anders gemacht, war unterwegs, hatte andere Tagesabläufe und habe meine gewohnten Routinen ein Stück weit aus dem Blick verloren.
Ich weiß inzwischen allerdings ziemlich genau, wohin dieser Ehrgeiz führt.
Drei Tage Vollgas. Dann wird die Woche voller, ein Termin kommt dazwischen, die Energie ist vielleicht nicht ganz so groß wie gedacht und schon gerät der schöne Plan ins Wanken.
Früher hätte ich wahrscheinlich gedacht: Dann hat es eben wieder nicht funktioniert.
Heute sehe ich das anders.
Ich fange einfach kleiner an.
Vielleicht mit ein paar Minuten Bewegung am Morgen. Ein bisschen Dehnen, ein paar Übungen, vielleicht zwei Liegestütze. Und wenn es nur ein kurzer Spaziergang ist, bevor der Tag richtig beginnt.
Jeden Tag ein bisschen.
Das klingt zunächst nicht besonders beeindruckend. Aber genau darum geht es.
Routinen müssen nicht perfekt sein
Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, dass eine Routine vor allem eines sein muss: machbar.
Sie muss auch an einem ganz normalen Tag funktionieren. An einem Tag, an dem Termine anstehen, die Arbeit mehr Zeit braucht als gedacht, zu Hause noch etwas erledigt werden muss und ich eigentlich keine Lust mehr habe.
Eine Stunde Sport lässt sich wunderbar vornehmen. Zehn Minuten Bewegung lassen sich deutlich leichter tatsächlich umsetzen.
Und genau daraus kann wieder mehr entstehen.
Wenn ich einige Tage hintereinander meine kleine Morgenroutine mache, wird sie wieder vertraut. Ich muss nicht jedes Mal neu entscheiden, ob ich heute damit anfange. Irgendwann gehört sie wieder zu meinem Tagesablauf.
Vielleicht ist das der Unterschied zwischen einem guten Vorsatz und einer echten Routine.
Nach einer Pause müssen wir nicht bei null anfangen
Das gilt übrigens für viele Bereiche unseres Lebens.
Nach dem Urlaub fällt es uns manchmal schwer, wieder in den Arbeitsrhythmus zu finden. Nach einer längeren stressigen Phase möchten wir am liebsten sofort wieder alles im Griff haben. Nach einer Krankheit wollen wir schnell zurück zu unserem alten Leistungsniveau. Und wenn wir eine Zeit lang wenig für uns getan haben, entsteht leicht der Gedanke, jetzt müsse endlich wieder mehr Sport, mehr Selbstfürsorge, mehr Ordnung und überhaupt mehr Struktur her.
Dann packen wir möglichst viel auf unsere Liste.
Und wundern uns, wenn wir diese Liste nach kurzer Zeit wieder nicht schaffen.
Vielleicht dürfen wir uns stattdessen erlauben, Routinen langsam wieder aufzubauen.
Nicht als neues Großprojekt, das zusätzlich auf unserer To-do-Liste steht, sondern als kleine Dinge, die wieder ihren Platz im Alltag bekommen.
Ein Spaziergang. Ein paar Minuten Bewegung. Ein fester Termin für Sport. Eine ruhige Tasse Kaffee, bevor der Tag beginnt. Zehn Minuten, in denen ich meinen Tag sortiere. Ein Abend, an dem ich bewusst nichts mehr vorhabe.
Was davon für Dich passt, ist ganz individuell.
Entscheidend ist, dass es zu Deinem Leben passt und nicht zu einem idealisierten Alltag, den es bei Dir vielleicht gar nicht gibt.
Was möchtest Du wieder regelmäßig tun?
Gerade jetzt, wo der Alltag nach dem Sommer wieder Fahrt aufnimmt, lohnt sich vielleicht ein kleiner Blick auf die eigenen Routinen.
Was hat Dir in den vergangenen Monaten gutgetan und ist dabei ein bisschen verloren gegangen?
Was möchtest Du gerne wieder aufnehmen?
Und was davon kannst Du so klein machen, dass Du heute damit anfangen kannst?
Vielleicht musst Du dafür gar nicht mehr Zeit finden. Vielleicht geht es zunächst nur darum, eine Sache wieder an ihren Platz zu bringen.
Ich werde jedenfalls nicht versuchen, ab morgen jeden Tag Krafttraining, Spinning und Golf unterzubringen.
Ich fange mit meiner kleinen Morgenroutine an.
Und vielleicht sind es tatsächlich erst einmal nur zwei Liegestütze.
Denn Kontinuität schlägt Intensität.
Und das gilt nicht nur beim Sport. Auch bei Selbstfürsorge, Selbstorganisation und allem, was uns langfristig guttun soll, sind es oft die kleinen Dinge, die wir regelmäßig tun, die am Ende den größten Unterschied machen.
Was möchtest Du in Deinem Alltag gerade wieder aufnehmen?
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